Bei der Binge-Eating-Störung handelt es sich um die häufigste Essstörung bei adipösen Menschen. Frühzeitiges Erkennen und Behandeln ist entscheidend für den Verlauf und die Prognose einer nachhaltigen Gewichtsreduktion. Eine multimodale Kombinationstherapie mit dem Ziel einer Lebensstilmodifikation ist ein Grundpfeiler der Behandlung. Bei psychischen Komorbiditäten wie Depression oder Angststörungen hat sich der Einsatz verhaltenstherapeutischer Techniken als wirksam erwiesen. Bei Patienten ab einem BMI >35 kg/m² sollte nach Ausschöpfen konservativer Therapieoptionen ein chirurgischer Eingriff erwogen werden.
Essstörungen werden häufig mit Untergewicht und Erbrechen assoziiert, jedoch weisen eine Vielzahl von übergewichtigen Menschen ebenfalls eine Essstörung auf. In der Schweiz liegt die Prävalenz von Übergewicht bei 42% der Erwachsenen, 11% sind davon adipös [1]. Aufgrund des geringeren Bewusstseins für eine Essstörung bei übergewichtigen Menschen sind die Erkrankungen häufig unterdiagnostiziert. Die Diagnosestellung ist jedoch von grosser Relevanz, da eine Essstörung unbehandelt eine nachhaltige Gewichtsreduktion erschweren bzw. verhindern kann und die Betroffenen einer erhöhten Mortalität ausgesetzt sind mit einer SMR («Standardized Mortality Rate») von 1,50 [2]. Die häufigste Essstörung ist dabei die Binge-Eating-Störung, die eine Inzidenz von über 50% bei adipösen Menschen aufweist. Dies macht noch einmal deutlich, dass neben dem Ausschluss somatischer Ursachen der Adipositas, somatischer Komorbiditäten und Folgen auch immer eine strukturierte Anamnese des Gewichtsverlaufes mit Überprüfung der «red flags» der Essstörung erfolgen sollte. Ein allgemeiner Anamneseleitfaden sowie Screeningfragen für essgestörtes Verhalten sind in Abbildung 1 zu finden.