{"id":454,"date":"2022-01-17T10:31:03","date_gmt":"2022-01-17T10:31:03","guid":{"rendered":"https:\/\/medon2.pharmazieonline.cyon.site\/?p=454"},"modified":"2022-01-17T10:31:05","modified_gmt":"2022-01-17T10:31:05","slug":"ade-wohlstandsbauch-willkommen-wohlfuehlgewicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/fr\/blog\/2022\/01\/17\/ade-wohlstandsbauch-willkommen-wohlfuehlgewicht\/","title":{"rendered":"Ade Wohlstandsbauch \u2013 willkommen Wohlf\u00fchlgewicht!"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Anteil an stark \u00fcbergewichtigen oder adip\u00f6sen Patienten nimmt stetig zu. Die Volkskrankheit wird eher einer Gesundheitsst\u00f6rung infolge eines ungesunden Lebensstils gesehen. Die Folgen k\u00f6nnen jedoch dramatisch sein. Adipositas geh\u00f6rt zu den wichtigsten Ursachen bedeutsamer Folgeerkrankungen wie Hypertonie, Diabetes mellitus oder koronare Herzerkrankung. Ein multimodales Therapiemanagement kann helfen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Adipositas, definiert als eine \u00fcber das Normalmass hinausgehende Vermehrung der K\u00f6rperfetts ab einem BMI &gt;30, ist weltweit sehr verbreitet. Ernst zu nehmen ist die Tatsache, dass sich die Pr\u00e4valenz in den letzten 30 Jahren verdoppelt hat, berichtete Dr. med. Eleonora Seelig, Liestal. Dabei fallen grosse Unterschiede auf: w\u00e4hrend in den USA 20\u201330% der Bev\u00f6lkerung adip\u00f6s sind, sind es in West-\/Ost-Afrika, Japan oder auch Indien weniger als 5%. Die Schweiz liegt mit einem Anteil von 10% im Mittelmass. Die Schweizer Gesundheitsbefragung ergab 2018, dass 10,2% der Frauen adip\u00f6s waren und 12,3% der M\u00e4nner. Nimmt man den Anteil der \u00fcbergewichtigen M\u00e4nner hinzu, so wiegt jeder zweite Mann in der Schweiz \u00fcber seinem Normalgewicht. Diese Zahlen sind alarmierend, denn die Morbidit\u00e4t und Mortalit\u00e4t sind bei adip\u00f6sen Patienten deutlich erh\u00f6ht. Bei einem BMI von 40\u201345 ist die Lebenserwartung beispielsweise um acht bis zehn Jahre reduziert. Das hat nat\u00fcrlich auch Auswirkungen auf die Kosten, die 2012 bei rund 8&nbsp;Mrd. CHF lagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch warum wird die Menschheit immer schwerer? Einfluss auf die k\u00f6rperliche Statur haben sowohl die Gene als auch die Umwelt. Tats\u00e4chlich konnte man feststellen, dass Adipositas vererbbar ist. Als hauptverantwortlich f\u00fcr das erh\u00f6hte K\u00f6rpergewicht werden jedoch die Umwelteinfl\u00fcsse angesehen. Ein grosses Problem stellt dabei die Reiz\u00fcberflutung und das st\u00e4ndige ausgesetzt sein von Versuchungen dar. In einer sehr aufw\u00e4ndigen Studie wurde in den USA das Essverhalten von gesunden, schlanken Erwachsenen mit deren Gewichtsverlauf in Verbindung gesetzt. Das Follow-up lief \u00fcber 20 Jahre. Im Durchschnitt nahmen die Probanden 1,5&nbsp;kg innerhalb von vier Jahren zu. Es zeigten sich jedoch grosse Unterschiede je nach Essverhalten. Eine ungesunde Ern\u00e4hrung machte sich deutlich mehr auf der Waage bemerkbar als eine gesunde Ern\u00e4hrung. Entsprechend spielt die Qualit\u00e4t des Essens eine massgebliche Rolle. In einer kleinen Untersuchung wurden 20 Personen jeweils f\u00fcr zwei Wochen entweder einer ultra-processed Di\u00e4t mit verarbeiteten Lebensmitteln oder unprocessed Di\u00e4t ausgesetzt. Bei letzterer wurde frisch gekocht. Beide Ern\u00e4hrungsformen waren hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und der Kalorienzufuhr absolut vergleichbar. Dennoch stieg das K\u00f6rpergewicht in den beiden Wochen mit verarbeiteten Lebensmitteln deutlich an, w\u00e4hrend es bei frisch gekochtem Essen abnahm.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"multimodales-therapiemanagement-im-fokus\">Multimodales Therapiemanagement im Fokus<\/h2>\n\n\n\n<p>Anhand eines Fallbeispiels zeigte Seelig die einzelnen Schritte des Therapiemanagements auf. Eine 26j\u00e4hrige Patientin klagte \u00fcber eine stetige Gewichtszunahme. Zum Zeitpunkt der Konsultation wog sie bei 175&nbsp;cm K\u00f6rpergr\u00f6sse 98&nbsp;kg, was einem BMI von 32 entspricht. Sie nahm keinerlei Medikamente und gab auch keine Grunderkrankungen an. Die Familienanamnese war positiv f\u00fcr Adipositas. Die Suche nach fassbaren Ausl\u00f6sern begann. Dazu geh\u00f6ren neben Medikamenten auch eine Hypothyreose, das Chushing-Syndrom, Funktionsst\u00f6rungen im Hypothalamus oder Gen-Defekte. Das Ziel der Gewichtsreduktion beinhaltet eine Risikominimierung hinsichtlich der Morbidit\u00e4t sowie eine Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t. Erzielt werden kann dies anhand eines Therapiemanagements, das auf Lebensstil-Intervention, Pharmakotherapie und bariatrischer Chirurgie aufgebaut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lebensstil-Intervention hat eine nachhaltige Ver\u00e4nderung des Ess- und Bewegungsverhaltens im Fokus. Erreicht werden kann das \u00fcber h\u00e4ufige und kurze Kontakte, die Informationen vermitteln und den Patienten coachen. Durchf\u00fchren kann dies sowohl der Arzt als auch ein Ern\u00e4hrungsberater, Psychologe und Fitnesscoach. Die Mahlzeiten sollten strukturiert werden und eine ausgewogene Zusammensetzung aufweisen. In Hinblick auf die Gewichtsreduktion haben sich alle g\u00e4ngigen Ern\u00e4hrungsformen als \u00e4hnlich effektiv erwiesen, so die Expertin. Die individuell ideale Ern\u00e4hrungsform ist daher die, die auch langfristig beibehalten werden kann. Bzgl. des kardiovaskul\u00e4ren Benefits hat sich allerdings die mediterrane Ern\u00e4hrung als besonders effektiv etabliert. Um eine langfristige Stabilisierung des Gewichts zu erreichen und g\u00fcnstige metabolische Effekte zu erzielen, sollten zudem die Alltagsaktivit\u00e4ten gesteigert und regelm\u00e4ssig Sport getrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"pharmakologische-unterstutzung-fur-den-gewichtsverlust\">Pharmakologische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Gewichtsverlust<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Schulung in Bezug auf den Lebensstil sollten alle adip\u00f6sen Patienten erhalten. Dennoch muss man auch hier die Grenzen sehen \u2013 die wenigsten Patienten erreichen allein aufgrund einer \u00c4nderung des Ess- und Bewegungsverhaltens eine zufriedenstellende Gewichtsreduktion. Zus\u00e4tzlich l\u00e4sst sich der Prozess durch Gabe eines GLP-1-Analogons unterst\u00fctzen. Urspr\u00fcnglich in der Diabetes-Therapie eingesetzt, verbessert er nicht nur die Insulin-Sekretion, sondern reduziert auch das Hungergef\u00fchl im Gehirn. In einer Studie mit 3700 adip\u00f6sen Patienten konnte durch Gabe von 3,0&nbsp;mg Liraglutid gegen\u00fcber Placebo zus\u00e4tzlich zu einer Di\u00e4t und Sport ein deutlich h\u00f6herer Gewichtsverlust gezeigt werden (8,4 \u00b1 7,3&nbsp;kg vs. 2,8 \u00b1 6,5&nbsp;kg). Die Hinzunahme des GLP-1-Analogons zum Therapiemanagement bedarf einer Kostengutsprache durch den Facharzt. Voraussetzung daf\u00fcr sind ein BMI \u226535 (bzw. \u226528 bei zus\u00e4tzlichen Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen), die Teilnahme an einem Adipositasprogramm, keine Vorbehandlung mit einem GLP-1-Analogon sowie keine geplante oder bereits durchgef\u00fchrte bariatrische Operation.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine bariatrische Operation ist eine Option f\u00fcr Patienten ab einem BMI von 35 und erfolglosem Versuch der Gewichtsabnahme \u00fcber zwei Jahre. Wird diese Massnahme durchgef\u00fchrt, so betr\u00e4gt die Gewichtsreduktion in der Regel 20-30% des Ausgangsgewichts. Dies kann individuell allerdings stark variieren. Ein leichter Rebound-Effekt nach ein bis zwei Jahren ist m\u00f6glich. Es wird eine deutliche Reduktion der Mortalit\u00e4t erreicht und eine Verringerung der Morbidit\u00e4t. Die Lebensqualit\u00e4t verbessert sich durch die Gewichtsreduktion.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle:&nbsp;Forum f\u00fcr medizinische Fortbildung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>CARDIOVASC 2021; 20(1): 34 (ver\u00f6ffentlicht am 3.3.21, ahead of print)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anteil an stark \u00fcbergewichtigen oder adip\u00f6sen Patienten nimmt stetig zu. Die Volkskrankheit wird eher einer Gesundheitsst\u00f6rung infolge eines ungesunden Lebensstils gesehen. Die Folgen k\u00f6nnen jedoch dramatisch sein. 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