{"id":209,"date":"2022-01-11T13:02:28","date_gmt":"2022-01-11T13:02:28","guid":{"rendered":"https:\/\/medon2.pharmazieonline.cyon.site\/?p=209"},"modified":"2022-01-16T11:06:36","modified_gmt":"2022-01-16T11:06:36","slug":"antidepressiva-rezidivprophylaxe-fuer-nachhaltigen-therapieerfolg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/fr\/blog\/2022\/01\/11\/antidepressiva-rezidivprophylaxe-fuer-nachhaltigen-therapieerfolg\/","title":{"rendered":"Antidepressiva: Rezidivprophylaxe f\u00fcr nachhaltigen Therapieerfolg"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei mittelschweren bis schweren depressiven Episoden gilt die Wirksamkeit einer Behandlung mit Antidepressiva als erwiesen. Eine remissionsstabilisierende Erhaltungstherapie ist zur Reduktion des R\u00fcckfall\u00adrisikos ein wichtiger Aspekt. Als Rezidivprophylaxe sollte bei Patienten mit \u00adunipolarer Depression nach erfolgreicher Akuttherapie die Antidepressiva-Behandlung \u00fcber mehrere Monate fortgesetzt werden. F\u00fcr langfristige Therapieadh\u00e4renz ist neben der Wirksamkeit eine gute Vertr\u00e4glichkeit ein entscheidendes Kriterium.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gem\u00e4ss aktueller Leitlinien wird bei mittelschweren und schweren Depressionen eine pharmakologische Behandlung empfohlen, bei leichten depressiven Episoden nur auf ausdr\u00fccklichen Patientenwunsch [1]. In einer Metaanalyse konnten Fournier et al. belegen, dass mit zunehmendem Schweregrad der Depression der Nutzen einer medikament\u00f6sen Behandlung im Placebovergleich zunimmt. Ab einem Hamilton Depression Rating Scale-Score von 25 erwies sich der Unterschied als klinisch signifikant [2]. In diese Sekund\u00e4ranalyse inkludiert wurden 6 randomisiert-kontrollierte Studien (RCT) mit insgesamt \u00fcber 700 Patienten, wobei die Behandlung mit Antidepressiva jeweils \u00fcber eine Dauer von mindestens 6 Wochen erfolgte. Eine weitere Best\u00e4tigung, dass eine Therapie mit antidepressiver Medikation bei Patienten mit majorer Depression wirksam ist, liefert eine im Lancet erschienene Metaanalyse, welche 21 verschiedene Antidepressiva bei \u00fcber 116\u2019000 Patienten verglich&nbsp;(Kasten)&nbsp;[3]. Ein Fazit lautete, dass s\u00e4mtliche der untersuchten antidepressiven Substanzen wirksamer waren im Placebovergleich in diesem Patientenkollektiv. Klinisch relevante Wirksamkeit wurde dabei operationalisiert als eine Reduktion um mindestens 50% im Gesamtscore einer standardisierten Depressionsskala nach einer Behandlungsdauer von 8&nbsp;Wochen. Am besten abgeschnitten haben bez\u00fcglich Wirksamkeit und Vertr\u00e4glichkeit Agomelatin, Escitalopram und Vortioxetin. Vortioxetin (Brintellix<sup>\u00ae<\/sup>) z\u00e4hlt zu den neueren Antidepressiva, in der Schweiz wurde es 2016 zugelassen [1,7].<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"1100\" height=\"585\" src=\"https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-210\" srcset=\"https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24.png 1100w, https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24-800x425.png 800w, https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24-120x64.png 120w, https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24-90x48.png 90w, https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24-320x170.png 320w, https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/kasten_hp12_s24-560x298.png 560w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 id=\"adaquate-erhaltungstherapie-senkt-das-ruckfallrisiko-erwiesenermassen\">Ad\u00e4quate Erhaltungstherapie senkt das R\u00fcckfallrisiko erwiesenermassen<\/h2>\n\n\n\n<p>Gute Vertr\u00e4glichkeit ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der passenden anti\u00addepressiven Medikation. In der aktuellen DGPPN-Leitlinie wird die fortgesetzte Einnahme eines Antidepressivums mindestens 4\u20139 Monate \u00fcber die Remission einer depressiven Episode hinaus empfohlen, weil sich hierdurch das Risiko eines R\u00fcckfalls erheblich vermindern l\u00e4sst [4]. Bei \u00e4lteren Patienten wird insbesondere bei Vorliegen depressionsf\u00f6rdernder Faktoren respektive einer rezidivierenden Depression auch \u00fcber eine l\u00e4ngere Therapiedauer diskutiert. In der Erhaltungsphase soll die gleiche Dosierung wie in der Akutphase fortgef\u00fchrt werden. Eine Dosisreduktion berge ein erh\u00f6htes R\u00fcckfallrisiko, konstatieren die DGPPN-Leit\u00adlinien\u00adautoren. Bei der Beendigung der remissionsstabilisierenden Behandlung sind Antidepressiva jedoch ausschleichend zu dosieren. Es wird empfohlen, dass das Absetzen eines Antidepressivums schrittweise \u00fcber einen Zeitraum von 4&nbsp;Wochen erfolgt mit regelm\u00e4ssigen Verlaufskontrollen [4].&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"therapieziel-vollremission-erreicht\">Therapieziel Vollremission erreicht?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Wichtigkeit einer vollst\u00e4ndigen Remission ergibt sich auch daraus, dass bei Patienten mit nur teilweise remittierter Depression das Rezidivrisiko deutlich erh\u00f6ht ist. Je schwerer depressive Episoden waren, umso eher besteht die Indikation f\u00fcr eine Rezidivprophylaxe. Ziele sind der Schutz gegen R\u00fcckf\u00e4lle sowie die Verhinderung einer m\u00f6glichen Verschlimmerung der Symptomatik. Die remissionsstabilisierende Wirkung ist f\u00fcr zahlreiche Antidepressiva belegt. Durch eine ad\u00e4quate Erhaltungstherapie kann das R\u00fcckfallrisiko um bis zu 70% gesenkt werden [4].<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"individuell-angepasste-rezidivprophylaxe-empfohlen\">Individuell angepasste Rezidiv\u00adprophylaxe empfohlen<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei Patienten mit einem hohen R\u00fcckfallrisiko ist eine langfristige Rezidivprophylaxe indiziert [4]. Medikament\u00f6s kommen die bereits in der Akut- und Erhaltungstherapie wirksamen Antidepressiva und Dosierungen in Frage [5]. Studien zeigen, dass die Beibehaltung der in der Akuttherapie wirksamen Dosierung mit einem rezidivprophylaktischen Effekt verbunden ist, w\u00e4hrend es umgekehrt f\u00fcr eine Dosisreduzierung keine empirischen Nachweise gibt [6]. Die individuelle Rezidivneigung kann am ehesten aus dem bisherigen individuellen Verlauf abgeleitet werden. Je mehr depressive Phasen ein Patient bereits hatte und je k\u00fcrzer der Abstand zwischen ihnen war, umso eher muss mit baldigen weiteren R\u00fcckf\u00e4llen gerechnet werden. Bei dieser Einsch\u00e4tzung ist der Verlauf der j\u00fcngeren Vergangenheit von gr\u00f6sserer Aussagekraft als der Verlauf in weit zur\u00fcck liegenden Jahren. Als weitere wichtige Kriterien f\u00fcr oder gegen die Indikation einer langfristigen Rezidivprophylaxe m\u00fcssen die Schwere der bisherigen Krankheitsepisoden, vorausgegangene Suizidalit\u00e4t und das bisherige Ansprechen auf Antidepressiva ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Cattapan K, Seeher C: Pharmakologisches Management bei unipolarer Depression: Handeln mit biopsychosozialer Perspektive. InFo Neurologie &amp; Psychiatrie 2019(17) 2: 20\u201325.<\/li><li>Fournier JC, et al.: Antidepressant drug effects and depression severity: a patient-level meta-analysis. JAMA 2010; 303(1): 47\u201353.<\/li><li>Cipriani A, et al.: Comparative efficacy and acceptability of 21 antidepressant drugs for the acute treatment of adults with major depressive disorder: a systematic review and network meta-analysis. Lancet 2018; 391(10128): 1357\u20131366.<\/li><li>DGPPN: S3-Leitlinie\/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression Langfassung 2.&nbsp;Auflage, 2015 Version 5, AWMF-Register-Nr.: nvl-005.<\/li><li>American Psychiatric Association (APA). Practice guideline for the treatment of patients with major depressive disorder. Arlington: American Psychiatric Association (APA); 2010.<\/li><li>Geddes JR, et al.: Relapse prevention with antidepressant drug treatment in depressive disorders: a systematic review. Lancet 2003; 361(9358): 653\u2013661.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em>HAUSARZT PRAXIS 2021; 16(12): 24<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei mittelschweren bis schweren depressiven Episoden gilt die Wirksamkeit einer Behandlung mit Antidepressiva als erwiesen. Eine remissionsstabilisierende Erhaltungstherapie ist zur Reduktion des R\u00fcckfall\u00adrisikos ein wichtiger Aspekt. 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