{"id":307,"date":"2022-01-11T20:34:47","date_gmt":"2022-01-11T20:34:47","guid":{"rendered":"https:\/\/medon2.pharmazieonline.cyon.site\/?p=307"},"modified":"2022-01-16T11:05:04","modified_gmt":"2022-01-16T11:05:04","slug":"dem-griff-des-schmerzes-entkommen-eine-effektive-therapie-macht-es-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testmedon2.pharmazieonline.cyon.site\/en\/blog\/2022\/01\/11\/dem-griff-des-schmerzes-entkommen-eine-effektive-therapie-macht-es-moeglich\/","title":{"rendered":"Dem Griff des Schmerzes entkommen \u2013 eine effektive Therapie macht es m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Migr\u00e4ne liegt eine komplexe Pathophysiologie zugrunde, die erst nach und nach detektiert werden konnte. Eine genetische Veranlagung, bestimmte Trigger, Stress oder \u00dcberlastung k\u00f6nnen nach aktuellem Kenntnisstand die wiederkehrend auftretenden Kopfschmerzattacken ausl\u00f6sen. Inzwischen basieren viele Behandlungsmanagements auf den Schl\u00fcsselmechanismen der Erkrankung und k\u00f6nnen zu effektiven Ergebnissen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft konnte Migr\u00e4ne inzwischen nicht mehr nur als rein vaskul\u00e4re, sondern vielmehr als neuronale Erkrankung enttarnen. Denn an ihrer Entstehung sind sowohl periphere als auch zentrale Sensitivierungsprozesse beteiligt. In der Schweiz leidet rund eine Million der Bev\u00f6lkerung an den wiederkehrenden Kopfschmerzattacken. Die Krankheitslast ist hoch, denn nicht nur die Schmerzen sind belastend. Sie ziehen h\u00e4ufig auch Funktionseinbus\u00adsen nach sich, da sich die Schmerzen bei k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t verst\u00e4rken. Zudem werden sie h\u00e4ufig begleitet von Appetitlosigkeit, \u00dcbelkeit mit oder ohne Erbrechen, Ger\u00e4usch-, Licht- und Geruchsempfindlichkeit. Kaum verwunderlich, dass Migr\u00e4ne von der WHO als eine der weltweit h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr verlorene Lebensjahre eingestuft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der medikament\u00f6sen Behandlung wird zwischen Akuttherapie und Prophylaxe unterschieden. Beiden ist gemeint, dass sie zuverl\u00e4ssig wirksam sein und wenig Nebenwirkungen aufweisen sollen. Die Akuttherapie wird eingesetzt, um die Kopfschmerzen rasch zu reduzieren bzw. zu beenden, Begleitsymptome zu beseitigen und die Funktionsf\u00e4higkeit wiederherzustellen. Die Prophylaxe ist vor allem bei stark betroffenen Patienten indiziert, um die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t zu reduzieren, die Wirksamkeit der Akutmedikation zu steigern und eine Zunahme der Kopfschmerz-freien Zeit zu erreichen. Der S1-Leitlinie zur Therapie der Migr\u00e4neattacke und Prophylaxe der Migr\u00e4ne zufolge sollte an eine Prophylaxe gedacht werden, wenn der Leidensdruck, die Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t und das Risiko eines Medikamenten\u00fcbergebrauchs hoch sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"unterversorgung-im-blick\">Unterversorgung im Blick<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Umsetzung der Empfehlung l\u00e4sst aktuellen Erhebungen zufolge jedoch noch Raum nach oben. Migr\u00e4ne wird immer noch h\u00e4ufig nicht oder erst versp\u00e4tet diagnostiziert, viele Patienten nehmen sie als schicksalhaft hin und die Prophylaxe konnte sich bisher noch nicht breitfl\u00e4chig etablieren. Nur rund 50% der Betroffenen konnten einer Umfrage zufolge eine entsprechende Diagnose vorweisen. Von den Migr\u00e4ne-Patienten nahmen dar\u00fcber hinaus zwar 98% eine Akuttherapie ein, aber lediglich 12,4% bekamen eine Prophylaxe. Doch Analysen belegen, dass knapp 35% der Betroffenen die Voraussetzungen f\u00fcr eine prophylaktische Behandlung erf\u00fcllen. Dass die Versorgung so schlecht ist, mag u.a. an Vorbehalten von Patienten und \u00c4rzten gegen\u00fcber der Prophylaktika liegen, die viele Nebenwirkungen, Abh\u00e4ngigkeit und hohe Kosten bef\u00fcrchten. Doch dies muss nicht sein, wie auf dem Kongress erneut verdeutlicht wurde. Empfohlen werden bei episodischer Migr\u00e4ne ab drei Attacken pro Monat oder chronischer Migr\u00e4ne Betablocker (z.B. Propranolol, Metoprolol), Kalziumantagonisten (z.B. Flunarizin), Antikonvulsiva (z.B. Topiramat), Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) sowie Onabotulinumtoxin A. Werden diese nicht vertragen oder weisen keine ausreichende Wirkung auf, k\u00f6nnen monoklonale Antik\u00f6rper gegen CGRP (Fremanezumab, Galcanezumab) oder den CGRP-Rezeptor (Erenumab) eingesetzt werden. Sie gelten als besonders gut vertr\u00e4glich und sehr wirksam. Es kann nicht nur die Anzahl der Migr\u00e4ne-Attacken effektiv gesenkt werden, sondern auch deren Intensit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kongress:&nbsp;Schmerzkongress 2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>InFo NEUROLOGIE &amp; PSYCHIATRIE 2021; 19(6): 28 (ver\u00f6ffentlicht am 1.12.21, ahead of print)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Migr\u00e4ne liegt eine komplexe Pathophysiologie zugrunde, die erst nach und nach detektiert werden konnte. 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